Gedanken zum November

Der November, der neunte Monat nach der alten römischen Rechnung, der dem Monat den Namen gegeben hat, ist Monat der Erinnerung an Verstorbene und der Monat des Nachdenkens über die Endlichkeit des irdischen Seins. In der katholischen Tradition wird dies deutlich durch das Hochfest Allerheiligen am 1. November und durch Allerseelen, das am 2. November gefeiert wird. In der evangelischen Tradition ist es der Totensonntag, der die Menschen zum Gräberbesuch einlädt, in der katholischen eigentlich der 2. November, wobei sich mittlerweile der Allerheiligentag durchgesetzt hat (vermutlich, weil es ein gesetzlicher Feiertag ist).

Beide katholischen Fest haben eine lange Tradition, so führt uns Allerheiligen ins 8. Jahrhundert, Allerseelen in das 9. Jahrhundert. Die Bräuche um diese beiden Fest sind vielfältig, zum Teil für uns auch fremd. So ging das mexikanische Totenfest „Día de Muertos (zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November) aus einer Vermischung von katholischem Glauben und indigenen Traditionen hervor: einmal im Jahr kommen die Toten zum Ende der Erntezeit zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Ein Fest, das Volksfestcharakter hat (James Bond-Fans erinnern sich sicher an den Beginn von „Spectre“).

Was fangen wir heute mit den beiden Festen an?

Wir konstatieren zu Allerheiligen: die Liste der Heiligen ist stark vom Klerus und von Ordensleuten geprägt, sie ist weniger weiblich, und wenn, dann im Bereich der Witwen und Jungfrauen. Für Menschen, die im „normalen“ Leben unterwegs sind, ist es also sehr schwer, in die Liste der „verherrlichten Glieder der Kirche, die schon zur Vollendung gelangt sind“ zu gelangen. Natürlich sind auch alle „unbekannten“ Heiligen eingeschlossen, trotzdem ist der Befund erschreckend für uns Laien.

Nach altem Volksglauben stiegen die Seelen der Verstorbenen an Allerseelen vom Fegefeuer auf und ruhten für kurze Zeit aus. Teilen wir diesen Glauben noch? Und den Glauben, mit einem „Ablass“ das Verweilen der Seelen im Fegefeuer zu verkürzen. Als ein „von Gott geschenkter und durch die Kirche vermittelter Nachlass zeitlicher Sündenstrafen für Lebende und Verstorbene“ ist er definiert, über Allerseelen wie folgt zu erhalten:

  • der Empfang des Bußsakraments, wobei der einmalige Empfang bei entsprechender Disposition für die Gewinnung mehrerer vollkommener Ablässe genügt
  • die entschlossene Abkehr von jeder Sünde
  • der Empfang der hl. Kommunion und Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters am Allerseelentag (einschließlich Allerheiligen ab 12 Uhr) selbst:
  • Besuch einer Kirche oder Kapelle, mit Gebet des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses oder das Gebet der Laudes oder Vesper aus dem Totenoffizium des Stundengebets, mit dem Gebet Herr schenke ihnen die ewige Ruhe.
  • in der Zeit vom 1. bis zum 8. November: Friedhofsbesuch und Gebet für die Verstorbenen.

Und wenn nicht alles absolviert werden kann, dann gibt es einen partiellen Ablass. Hand aufs Herz: wer hätte das gewusst – und wer glaubt das noch?

Das mutet alles wie ein Relikt aus vergangener Zeit an und ist zumindest aus meiner eigenen Wahrnehmung fast vollkommen verschwunden. So mancher denkt sich: tja, und jetzt? wozu brauche ich das? Warum der Hinweis auf diese für mich unwichtigen Dinge. Und – es gibt dringlichere Dinge, die mich umtreiben: die Familie gut über die Coronazeit bringen, das Bangen um meinen Arbeitsplatz, die Sorge um die Alten in den Pflegeheimen.

Das stimmt alles und wir müssen uns auch kein schlechtes Gewissen machen, wenn wir uns mit den uns wichtigen Dingen beschäftigen.

Unsere Gegenwart steht auf dem Vergangenen, auf der Tradition. Wenn wir Laien in einen Dialog mit dem Klerus eintreten wollen, dann müssen wir auch wissen, woraus sich ihre Emotionalität speist. Und da ist es hilfreich, sich solche altertümlich anmutenden, jahrtausendlang gefeierten Tage genauer zu betrachten. Dialog ist dann am fruchtbarsten, wenn wir wissen, mit welchen Glaubensschätzen und Glaubenssätzen unser*e Dialogpartner*in unterwegs ist. Ich würde mir wünschen, dass insbesondere die fundamentalen Traditionalist*innen und alle Kleriker (Überschneidungen durchaus möglich) wissen, mit welchen Gedanken wir Laien unterwegs sind. Vielleicht würde es dann sogar ab und an auch ein*e Vertreter*in dieser Spezies in die Liste der Heiligen schaffen.

Karlheinz Heiss
Diözesanvorsitzender

 

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