Die Machtfrage 

Gedanken zum September

Es sieht aus wie ein gewaltiges Spiel um Macht, wie sich derzeit die Deutsche Bischofskonferenz und der Vatikan benehmen. Ich frage mich, was hat es mit dem Macht-Poker und was hat es mit Macht überhaupt auf sich. Es gibt eine legitime Macht, die wir Bürger*innen der Legislative (den Parlamenten), der Exekutive (Verwaltungen und Polizei) und der Jurisdiktion (den Richtern) verleihen. Sie sind in ihrer Machtausübung rückgebunden an das Volk, wie der Artikel 20 des Grundgesetzes beschreibt: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtssprechung ausgeübt“. Dies gilt, weil die Bundesrepublik „ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“ ist.

Im katholischen Umfeld sieht die Sachlage anders aus. Hier haben wir eine Rechtsform, wie wir sie aus der Monarchie kennen. Der Papst als oberste Instanz, darunter die Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe. So richtig stimmen will diese hierarchische Struktur nicht, denn es gibt auch die Überlegung, dass die Ortsbischöfe als Nachfolger der Apostel in ihrer Diözese die höchste Instanz sind und der Bischof von Rom nur der „primus inter pares“, also Erster unter Gleichen sei. Aus diesem „Primat“ formte das Vatikanum I das „Unfehlbarkeitsdogma“, das der Entscheidung des Papstes „ex cathedra“ in Glaubens- und Sittenfrage Unfehlbarkeit bescheinigte. Das Vatikanum II sprach 1964 der Gesamtheit der Gläubigen ebenfalls Unfehlbarkeit zu: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben, kann im Glauben nicht irren“.

Es geht bei der jetzigen Meinungsverschiedenheit zwischen Bischofskonferenz und Vatikan (noch) nicht um Fragen, die der Papst ex cathedra bestimmen müsste. Allerdings ist die Frage der Rolle der Frau in der Kirche heikel, viel heikler als die Frage des Zölibats.

„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen“, mit solchen Aussagen versuchte dieser hohe Repräsentant des deutschen Adels seine Machtausübung zu legitimieren, mit der Rückbindung an die Gnade Gottes. Das ist noch gar nicht so lange her. Viele dachten, wenn der Adel nicht mehr regiert, geht das Abendland unter. Nun haben wir 100 Jahre ohne Adel überstanden, davon die letzten 70 Jahre ohne Krieg in Europa. Offensichtlich funktioniert eine Gesellschaft auchund wohl besser, wenn Macht über Wahlen ausgeübt wird.

Gehen wir zurück zur Situation der katholischen Kirche in Deutschland und schauen in unsere Diözese. Natürlich hat Dr. Gebhard Fürst Macht, schließlich ist er als Bischof Vorgesetzter vieler Frauen und Männer. Dies lässt sich auch aus dem Organigramm der diözesanen Verwaltung gut ersehen. Hier kann er Macht ausüben, legitime Macht, begründet aus seiner Position in der Organisationsstruktur. Er hat auch die Weihevollmacht, er kann Priester, Diakone, Kirchen und Altäre weihen. Er spendet das Firmsakrament, er kann als Bischof einer Gemeinde vorstehen und die Eucharistie feiern, er kann die Beichte abnehmen. Zeichen für seine Macht.

Und doch sieht er sich einem gewaltigen Machtverlust gegenüber: wenn immer mehr Menschen die Kirche verlassen, dann schwinden die Kirchensteuereinnahmen. Die Folge: Personal muss abgebaut werden. Der Auszug der Menschen aus den Gotteshäusern ist längst Tatsache: statt Altarweihen stehen Rückbaumaßnahmen an. Priester und Diakone kann er nur weihen, wenn sich Menschen bereitfinden, in den Dienst der Kirche zu treten. Auch hier schwinden die Ressourcen. Die Beichte? Hand aufs Herz, wann war das letzte Beichtgespräch? Und eine Messe zusammen mit dem Bischof? Auch da lässt die Strahlkraft deutlich nach.

Vor kurzem habe ich eine historische Aufnahme gesehen, die Bischof Galen gezeigt hat, ganz genau gesagt: Clemens Augustinus Joseph Emmanuel Pius Antonius Hubertus Marie Graf von Galen, Bischof von Münster zwischen 1933 und 1946 und Kardinal. Es war ein stattlicher, fürstlicher Auftritt, der in seinem Prunk mehr als befremdlich war. Damals hatte ein Bischof noch Macht. Sein Wort galt in der Gesellschaft, wer sich seinen Bann zuzog, dem blieb nur der Wegzug oder die Konversion. Auch auf die Gemeindeebene herunter gebrochen galt dies: die Macht in der Gemeinde war konzentriert in der Dreieinigkeit von Bürgermeister, Lehrer und Pfarrer.

Heute? Entscheidungen von Bürgermeistern werden mit Bürgerentscheiden weggefegt, Lehrer will niemand mehr werden und Pfarrer schon gar nicht. Macht macht sexy; wenn sie verlustig geht, kümmert sich bald niemand mehr um die einstigen Machtmenschen.

Aus diesem Blickwinkel erscheint der pressewirksame Machtpoker zwischen deutscher Kirche und Rom seltsam unwirklich, wie eine Episode aus einem Mittelalter-Epos. Und anachronistisch zur Gestalt und zum Wirken des Jesus von Nazareth, dessen Ohnmacht am Kreuz in allen Kirchen zu sehen ist.

Karlheinz Heiss

 

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