Gedanken zum Januar 2022

Von 2015 bis 2020 ging der sogenannte „KiamO“-Prozess in unserer Diözese. Die Abkürzung steht für: Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten.

Es handelte sich um einen Kirchenentwicklungsprozess in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Leitend waren folgende Fragen: „Wozu sind wir heute Kirche?“ (Vision), „Was ist unser Auftrag?“ (Mission), „Wie machen wir das?“ (Strategie). Konkret: Wie werden neue Zielgruppen angesprochen? Sollten Strukturen in den Kirchengemeinden verändert werden? Was lässt sich an Neuem ausprobieren?

Die Ergebnisse wurden im Sommer 2020 in einer Klausur des Bischöflichen Ordinariats und im Diözesanrat vorgestellt. Als Datenbasis dienten Pastoralberichte aus 202 der 273 Seelsorgeeinheiten der Diözese mit insgesamt etwa 4000 Seiten.

Das Fazit war erwartbar und stellt insbesondere für die Bistumsleitung eine echte Herausforderung dar: „Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, die Gemeinden schrumpfen, Stellen bleiben immer länger unbesetzt. Und der Missbrauchsskandal tut sein Übriges, um Klerus und Laien voneinander zu entfremden. Nicht alle ignorieren den schleichenden Bedeutungsverlust der katholischen Kirche. Die Verfasser ungefähr jedes zehnten Pastoralberichts wagen sich mit grundstürzenden Forderungen hervor. Das betrifft vor allem die Abschaffung des Zölibats und das Frauenpriestertum. Nicht wenige fänden es ‚schwer verständlich, warum man diese Wege nicht gehen darf, während den Menschen vor Ort das letzte abverlangt wird“, so berichtet das Schwäbische Tagblatt am 19. Januar 2022.

Man spürt aus diesem Text den Reformwillen so vieler Katholik:innen in unserer Diözese. Es geht wirklich an das Eingemachte:

Priestermangel – ein Thema, das bereits seit den 1970-er Jahren diskutiert wird
Abschaffung des Zölibats – wird mindestens genau so lange thematisiert
Frauenordination – nicht erst seit Maria 2.0 eine Anfrage an bisherige Strukturen
Missbrauchsskandal – der Entfremdung kann nur durch Aktivität entgegengetreten werden

Insbesondere bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sich nichts bewegt. Vermutlich soll sich auch gar nichts bewegen, weil Transparenz gefordert sein wird, die dem bislang gültigen Geheimarchiv mit alleinigem Zugriff durch den Bischof den Garaus machen muss.

Meine Forderung: Aufarbeitung durch eine „Wahrheitskommission“ mit einer sauberen, wissenschaftlich fundierten Recherche im Geheimarchiv vorab und einer paritätischen Besetzung mit Betroffenen und Kirchenvertretern, öffentlichen Sitzungen unter Leitung unabhängiger Persönlichkeiten und einem ausführlichen, jederzeit zugänglichen Schlussbericht. Ich kann die Entfremdung gut nachvollziehen, denn Aufarbeitung in Kirchenhand wäre längst möglich gewesen.

Karlheinz Heiss
Diözesanvorsitzender

 

 

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