Hans Küng - der Visionär

„Unfehlbar? – eine Anfrage“, so betitelte der im April verstorbene Tübinger Dogmatiker Hans Küng sein Buch, mit dem er die Rolle des Papstes innerhalb der katholischen Kirche und insbesondere die Vorstellung der Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens und der Sitte hinterfragt hat. Dieses Buch erschien 1970. 1979 entzog ihm der Bischof von Rottenburg, Dr. Georg Moser, die „Missio“, also die Entsendung des Bistums, im Namen der katholischen Kirche zu lehren und Prüfungen abzunehmen. „Auf massiven römischen Druck“ hin, so in seiner Vita. Roma locuta, causa finita (Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt) – dieser Satz wird Augustinus zugeschreiben, und er machte nicht nur im Jahr 1979 deutlich, was in der katholischen Kirche geht und was nicht, sondern auch heute.

Causa finita

Die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren – Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt, auch wenn sich Priester und Bischöfe in Stellungnahmen überschlagen. Rom, und das heißt auch Papst Franziskus, nimmt das alte Bild der Schaffung des Menschen auf und definiert die gottgefällige Verbindung zweier Menschen als Verbindung Mann-Frau. Damit werden Menschen, die sich in dieser Frau-Mann-Verbindung nicht glücklich fühlen, diskriminiert, auch wenn es nach außen einen anderen Anschein haben soll. Natürlich will man homosexuelle Menschen als solche nicht diskriminieren, sondern legt nur die ausgeübte Sexualität in die Schublade „Sünde“ ab - und damit wird eine Segnung unmöglich. Von der gleichen Argumentation betroffen sind auch wiederverheiratete Geschiedene, die in fortwährender Sünde leben und damit auch von der Segnung ausgeschlossen sind. Es ist schon verblüffend, dass ein Gitter am Kölner Dom mehr den Segen der Kirche verdient als ein sich liebendes Paar. Hier stoßen wir an eine Grenze, die sich in der heutigen Zeit lebenden Menschen nicht erschließen will.

Die Konsequenz: innere und äußere Kündigung der Gläubigen. Wir sind mittlerweile weit davon entfernt, einen „absoluten“ Anspruch der Kirche zu akzeptieren. Wir sind auch weit davon entfernt, diesen Machtanspruch für notwendig zu befinden.

Mensch: Würde: unantastbar

Die katholische Kirche, und damit meine ich vor allem die Hierarchie und diejenigen, die der Hierarchie nach wie vor nach dem Munde reden, täte sich gut daran, Antworten an Glaube und Sitte mit der Entwicklung der Welt zu harmonisieren. Dies ist für mich auch ein theologischer Inhalt: Uns zu ermächtigen, die Entwicklung der Welt nicht im Sinne einer gottgewollten Entwicklung zu deuten, ist eine Hybris. Sittlichkeit muss sich an den im Grundgesetz verankerten drei Worten orientieren: „Mensch: Würde: unantastbar“. Ich würde gerne ergänzen „unverhandelbar“. Dieser menschliche Fortschritt, fußend auf den Erfahrungen des Holocaust und des 2. Weltkriegs, ist nicht gegen die Schöpfungsordnung gerichtet, sondern stellt wie der Dreisatz der Gottesliebe, der Eigenliebe und der Nächstenliebe die Essenz des Glaubens dar.

Küngs Erbe

Hans Küng war ein Visionär, der ein entspanntes Katholischsein propagierte und den ständigen Austausch mit anderen Religionen und die Ökumene in den Mittelpunkt gerückt hat. Sein Erbe sind seine Bücher und der Begriff des Weltethos (1995 hat er die Stiftung Weltethos ins Leben gerufen). Seine Erinnerungen sind in drei Büchern eingeflossen: Erkämpfte Freiheit, Umstrittene Wahrheit und Erlebte Menschlichkeit. Gewaltige Titel, mit denen wir unsere eigene Position in der Katholischen Kirche hinterfragen können.

Karlrheinz Heiss
Diözesanvorsitzender

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